Was ist ein Wohnprojekt

Eine Kerngruppe Interessierter findet sich zu einem Wohnprojekt zusammen mit der Absicht, ein Bauvorhaben selbst – d.h. ohne Bauträger /Investor – zu realisieren. Diese sog. Wohngruppe / Baugruppe agiert als Bauherr und verbindet damit die Möglichkeit, eigene Vorstellungen in Bezug auf die Gestaltung der eigenen Wohnung, des Hauses (Materialien, Energiestandards und Ausstattung), des Wohnumfeldes und - vor allem - des gemeinschaftlichen Zusammenlebens umzusetzen. Meist entstehen so anspruchsvolle Gebäude mit beispielsweise hohen energetischen Standards und Gemeinschaftsflächen und vor allem: in guter Nachbarschaft.

Rechtliche Ausgestaltung des Wohnprojektes Freiland Flensburg

Aktuell besteht das Wohnprojekt als Planungsgemeinschaft, die als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) organisiert ist. Diese geht dann später vor Baugebinn in die Baugemeinschaft über. Für die Wohnphase wird sie dann die eigentliche Genossenschaft (eG).

Das gesamte Gebäudeensemble (Atriumhaus und die beiden Stadthäuser) wird in der Wohnphase als eine Wohneigentümergemeinschaft (WEG) organisiert. Mitglieder sind die einzelnen Wohnungseigentümer zum einen und die Genossenschaft als Wohnungseigentümerin der genossenschaftlichen Wohnungen zum anderen.

Die Genossenschaft finanziert den Bau der Mietwohnungen im Projekt. Die Eigentumswohnungen werden durch die einzelnen Eigentümer finanziert. Auch die Eigentümer werden Mitglieder in der Genossenschaft. Sie zahlen für ihre Mitgliedschaft einen symbolischen Betrag, dessen Höhe noch nicht festgelegt wurde. Dies soll den Zusammenhalt der Hausgemeinschaft stärken.

Weitere Informationen zum Thema 'Wohnprojekt' aus der Presse

DIE ZEIT

... veröffentlichte mit ihrer Ausgabe (15/2017) in ihrem Regionalteil Hamburg auf Seite 5 einen Artikel mit folgender Überschrift: Willkommen in der Gemeinschaft.

Hier einige Auszüge:

[…]
Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann gemeinsam: Nach diesem Motto suchen immer mehr Menschen nach Gleichgesinnten, um ihre Vorstellung von den eigenen vier Winden als Kollektiv in die Tat umzusetzen. »Es gibt eine unglaubliche Nachfrage an Baugemeinschaften«, sagt Andrea TöIlner vom Forum Gemeinschaftliches Wohnen (FGW) in Hannover und spricht von einem regelrechten Boom. Das gilt insbesondere für Hamburg. wo Baugemeinschaften inzwischen bei rund 20 Prozent der städtischen Grundstücke den Zuschlag erhalten.[…]

[…]
Meist ist es der Wunsch nach einem Leben in Gesellschaft, der Baugemeinschaften antreibt. »Es geht den Menschen um ein angenehmes und verbindliches nachbarschaftliches Miteinander«, erzählt Töllner.[…]
»Die Leute wollen nicht in anonymisierten Mietsblöcken leben oder haben keine Lust auf betreutes Wohnen. Sie setzen aufSelbsthilfe.
Wenn sie sich gefunden haben, dann stimmt in der Regel auch die Chemie.« Häufig sind Gruppenräume, gemeinsame Aktivitäten oder Alltagshilfen Teil der Projekte. Das reicht vom Carsharing über Hausaufgabenbetreuung bis hin zum Kindergarten oder Einrichtungen der Tagespflege.[…]

[…]
Auch finanziell bieten Baugemeinschaften Vorteile. In Hamburg etwa werden städtische Flächen in derRegel zum Verkehrswert statt im Gebotsverfahren verkauft. ZudemerRegel zum Verkehrswert statt im Gebotsverfahren verkauft. Zudem ntfällt die Gewinnmarge der Bauträgers. 10 bis 20 Prozent der Bausumme lassen sich laut FGW nach Berechnungen von Experten so einsparen. […]

[…]
Je nach Rechtsform der Baugemeinschaft läuft die Finanzlerung ähn]ich ab wie beim individuellen Wohnungskauf. Bei klassischen Wohnungseigentümergescheinschaften (WEG), in denen jeder sein eigenes Grundbuchblatt hat, erfolgt die Finanzierung in der Regel getrennt über die Bank der späteren Einzeleigentümer.
Für die Dauer der Planung sind künftige Wohnungseigentümergemeinschaften häuflg als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) organisiert. In dieser Phase holt der Projektentwickler die Finanzierunssbestätigung der einzelnen Bauherren ein. Der Eigenkapitaleinsatz richtet sich nach der Solvenz des Einzelnen. In der Regel erwarten die Banken laut Bundesverband Baugemeinschaften mindestens 15 bis 25 Prozent. Nach diesen Angaben bewerten einige Banken Kosteneinsparungen durch die eigene Vermarktung als Eigenkapital.
Finanzielle Risiken sieht Juristin Töllner nicht - unter einer Voraussetzung: »Fachkundige Projektentwickler für Baugemeinschaften, vernünftige Verträge für die GbR im Vorfeld sowie für die Bauphase sind das A und O.« […]

DER SPIEGEL

... schrieb in seiner Ausgabe (49/16, S. 66 ff) über ein Wohnprojekt in der Hamburger HafenCity.

Der Untertitel lautet:

Wohnen
Wer mit einer Baugemeinschaft ein Haus plant, darf eines nicht haben: eine Ahnung davon, was auf ihn zukommt. Ein Erfolgsbericht - nach sechs Jahren. Von Marianne Wellershoff

Einige Ausschnitte aus dem Text:

[…] und es zeigt, dass bei einem kollektiven Bauprojekt neben Enthusiasmus und Naivität auch jede Menge Geduld gefordert ist.
Und Nervenstärke. So oft habe ich mich geärgert über Entscheidungen, die ich falsch fand, zum Beispiel nur 2,60 Meter Deckenhöhe zu bauen, während der Standard in der HafenCity eher bei 2,80 Meter liegt. Aber ich war auch dankbar, als einer aus der Baugruppe die geplanten Steckdosen nachzählte und feststellte, dass die DIN-Norm nicht eingehalten wurde. Und ich freue mich heute, dass in unserem Haus nicht irgendwelche Zufallsnachbarn wohnen, sondern Menschen, die in den sechs Jahren unsere Freunde geworden sind. […]

[…] Wenn ich während der Bauzeit erzählt habe, dass ich in einer Baugemeinschaft mit 70 Parteien bin, dann wurde ich von den meisten angeschaut, als hätte ich einen komplizierten Bruch des rechten Handgelenks. Du Arme! Mitleid! Für viele besteht eine Baugruppe aus Menschen, die leidenschaftlich gern herumdiskutieren oder, schlimmer, herumnörgeln. Ja, stimmt, es wird sehr viel diskutiert, digital und analog. Manchmal dauerten die Sitzungen bis 23 Uhr, werktags, logisch. Trotzdem sind wir danach oft noch losgegangen, um gemeinsam ein Bier zu trinken. Solche gemeinsam durchgestandenen, nervigen Abende schweißen zusammen. […]

... Klar, bei Baugruppen ist es wie in allen Gruppen: Manche engagieren sich sehr, haben vor den Treffen alle Vorlagen durchgearbeitet, sind in mehreren AGs oder auch noch in der Geschäftsführung der Baugemeinschaft. Und der eine oder andere hat keinen einzigen Abend in AG-Arbeit investiert; manche schwänzten sogar die Sitzungen der Baugemeinschaft. Dennoch haben sie am Ende wie alle anderen eine relativ günstige Wohnung bekommen. ...

Ende des Artikel von Marianne Wellershoff:

Es hat sich etwas grundlegend verändert in diesen sechs Jahren. Immer mehr Menschen möchten anders leben. Wenn ich heute von der Baugruppe erzähle, werde ich gefragt: ,Wir möchten auch gern in eine Baugemeinschaft. Wie geht das?"

Den vollständigen Artikel findet man bei SPIEGEL ONLINE oder pocketstory .